Die Amöbe
Ach, ach, sprach die Amöbe,
ich bin ein kleines Wechseltier,
heut dachte ich, ich löge,
doch sagte ich Wahrheit dir.
Denn wenn ich dich betröge,
so wär ich doch anders hier,
bestimmt sogar als Löwe,
du alter Esel, glaube mir!
Ach Erich II
Ach Erich,
ach könnt ich doch, dann wäre ich,
ach hätt ich doch, dann ehrlich,
doch immer diese Zwänge,
diese Enge,
du weißt, ich würde ja, so gerne,
mit dem Talent aus weiter Ferne,
um dann aus nächster Nähe,
damit ich die Dinge besser sähe,
wieder hinweg zu eilen,
in dem Gedankenblitz verweilen,
ach aber aus der Distanz,
da kann es selbst der dümmste Hans!
Da fällt selbst dem was ein,
und sei’s nur ein Toilettenreim.
Sag, wie soll ein Dichter leben?
In distanzierter Nähe eben!
Schräge Gedanken
Um die Ecke denken ist sehr schwer,
gibt das Gehirn doch keine her.
Eine kleine Plattitüde
So sehr sie sich bemühte,
in ihrem reden nimmermüde,
stets große Worte schwang,
ein Lied von Freiheit sang,
die Toleranz beschwor,
sich selbst zum Menschenfreund erkor,
große Leute gern zitierte,
sich auf lateinisch produzierte,
die ganze Welt erklärte,
und selbst das Gegenteil verkehrte,
sie war zuletzt sehr müde,
die kleine Plattitüde.
Die Schlacht von Pimm'sloo

Der Pichelfrosch ist sehr besoffen,
ihn hat der Whisky schwer getroffen,
davor die Ladung Weizenkorn,
die traf den Pichelfrosch von vorn.
Der Schnaps, der kam von rechts geflogen,
das Grappa-Gin-Duell hat er verloren.
Sodann überwältigten ihn von links
aus dem Hinterhalt zehn Pimm's.
Und nach weiteren sechs Slibowitzen
glich er zwei vollen Feldhaubitzen.
Zuletzt besiegelten sechs Klare
Pichelfröschchens Niederlage.
Im Sarg fand er noch Aquavit,
er leerte ihn: „Prost! Sieg!“
Schinkenbrot
Nach Schinkenbrot und Milch mit Honig,
fühl ich mich gut, fühl ich mich wohlig.
Am liebsten baute ich mir jetzt,
ein schönes Budennest.
Wie damals mit Annette,
unter meinem Bette.
Ich lüde meine Freunde ein,
wir säßen drin bei Kerzenschein,
und läsen ein Gruselgedicht,
und spielten Wahrheit oder Pflicht,
und die Welt zöge vorüber,
und wir wären sorglos wie früher.
Geschlossene Gesellschaft
Wenn alles plötzlich offen ist,
vor Freiheit ganz besoffen ist,
will jeder wieder rein,
in den geschlossenen Verein.
Mittelschicht Gedicht
In der Mitte liegt das Glück,
mit Skiurlaub und Baugrundstück,
man hält stabil im Gleichgewicht,
die deutsche Mittelschicht.
Angstvoll zwischen arm und reich,
denn mittendrin ist auch nicht gleich,
erfüllt sie sorgsam ihre Pflicht,
die deutsche Mittelschicht.
Nach oben strampelt sich der Saft,
nach unten tritt man voller Kraft,
mit Schmuddelkindern spielt sie nicht,
die deutsche Mittelschicht.
Bis sie dann irgendwann erkennt,
dass sie nur gegen Mauern rennt,
sieh’ der Wahrheit ins Gesicht,
du dumme deutschen Mittelschicht!
Inspiration: FR, 28.2.2008, S. 5 : « Bloß kein Schmuddelkind, Eltern schaffen eine neue Klassengesellschaft. »
Der Vorsatz
Im neuen Jahr soll es gelingen,
will meine Fehler nun bezwingen.
Ein Prost auf's "Ich", wie’s früher war,
ein neuer Mensch im neuen Jahr!
Doch nach den Weihnachtsfeiertagen,
muss ich mich mit den Steuern plagen,
so wird vertragt auf Februar,
der Vorsatz aus dem Januar.
Der Februar ist ach so trist,
dass noch kein Platz für Neues ist.
In diesem neblig, trüben, nassen,
lässt beileibe kein Entschluss sich fassen!
Wenn erst der März schon wäre ...
doch kommt mit dem Frühjahrsschwere.
Im April ist sie bezwungen,
doch wird das Haus nun abgewrungen.
Ah, da kommt der Mai,
der ist, wie immer, schnell vorbei.
Im Juni ist es viel zu schön,
um selbstkritisch in mich zu gehn’.
Der Juli, uff, welch große Hitze,
Wo ich doch schon beim Nichtstun schwitze!
Nein, so lässt sich nichts kreieren
und auch der Vorsatz muss pausieren.
Im August fang ich sodann,
noch mal ganz von vorne an.
Und just bei dem Gedanken,
gerät mein Vorsatz ganz ins Wanken.
Endlich! Der September bricht herein!
Ich will nun ehrlich mit mir sein,
doch überfällt in dieser Situation,
mich die erste Herbstdepression!
So wird er dann erneut verschoben,
um im Oktober zu geloben,
dass der Vorsatz im November,
noch Zeit hat bis Dezember.
Und zu Silvester schließlich,
werd’ ich böse und verdrießlich
und fasse wütend den Entschluss,
dass sich ab jetzt was ändern muss!
Schnutingers Silvestergedicht
Heut bin ich sehr besinnlich
und gehe reichlich in mich
ich bin sehr ernst und klar,
das muss dann reichen für ein Jahr.
Jahresendzeitstimmungen
Die Leute beklagen sich so gerne,
über das Ach und Weh der Welt,
weil ein jeder sich aus weiter Ferne,
moralisch gut gefällt.
Schüttelreim
Wer weder weiter weiß,
noch weiter kann,
dem bleibt nur noch
der Abgesang.
Avant! Die Hosen runter, smarte Geister
Herr Wirrkopf las heute in einem Gedicht von Gottfried Benn den Satz: „Avant! Die Hosen runter, smarte Geister.“ Dieser inspirierte ihn zu folgendem Gedicht:
Ein Hosenruntergedicht
(Herr Wirrkopf, sehr frei nach Gottfried Benn)
Auf die Plätze, Hose runter
und dann gucken, was da drunter,
wat ne’ Plinte, wat ne Bosse,
modische Granatgeschosse.
Der Fritze trägt ne’ gelb-karierte,
Der Paul dafür ne’ grau-melierte,
Der Jos dagegen munter,
trägt heut gar nichts drunter!
Und weil es furchtbar kalt ist,
kriegt der Jos die Urethitis,
und mit entzündetem Nierenbecken,
muss er schließlich bald verrecken.
Fritze und Paul,
das sei kurz nachgeschoben ,
ließen fortan ihre Hosen oben.
Schlüpfrige Städtegedichte 2
Paul aus Haste,
sein erstes Mal verpasste,
weil Simone aus Hamm,
einen Zug eher kam,
und am Bahnhof Sergej getroffen hat,
mit dem brauste sie ab nach Kaliningrad.
Dörte aus Lehrte,
übersinnlichen Sex begehrte,
bis Frank aus Schwerte,
ihr Begehren erhörte,
und in der schönen Stadt Lemgo,
trieben sie es so.
(Zugfahrten eignen sich besonders gut für solch' frivoles Reimgeschüttel mit allerlei unbedeutenden Ortschaften, allerdings weiß ich noch nicht, was ich aus Brackwede machen soll ... )
Katja freut sich
Katja aus Kaliningrad,
heute große Freude hat,
kommt doch der Pjotr aus Polen,
sich ihre Unschuld abzuholen.
Eine Fortsetzung dieser "Schlüpfrigen Städtegedichte" nicht zu verwechseln mit den oft zitierten "Städischen Schlüpfgedichten" in grob geschätzten einundzwanzigeinhalb Bänden ist geplant, aktive Dichtmithilfe ausdrücklich erwünscht.
Neue Züricher Gräberpoesie
Am Grab von Thomas Mann
bewegte mich ein Schauer,
doch liegt gleich nebenan
auch nur Berti Meier.
Und weiter ging unsre Gräbertour in Zürich so:
auf dem Tramweg rauf zum Zoo
besahen wir bei den Affen gleich ums Eckli
noch rasch den Joyce und den Canetti.
sinnlos ungereimtes
es schopte der hauer,
es sörte gaard,
es zuckte der mayer,
es dürrte matt.
es gryphte der phius,
es kloppte stock,
es sternte der morgen,
es mayerte zuck.
es droste die hüls,
es grillte der parz,
es endet hier alles
als ringel mit natz.
Katz und Floh
Es war einmal ein Floh,
den überkam des nachts die Libido.
Er wusste nicht wohin mit ihr,
und sprang einfach aufs nächste Tier.
Das war die Katze Erika,
seitdem sind Katz und Floh ein Paar.
Drei oder vier besoffen klingende und so vorzutragende Trinkgedichte
Herr von Ziesewitz,
trank ohne Witz,
zweiundfünfzig Slibowitz
in Kattowitz.
Donnerlitz!
Zwei Hildener,
tranken gern Pilsener,
einmal fuhren sie für ihr Bier,
sogar bis nach Trier.
Stünde es sonst hier?
Frau zu viel Moos,
kippte auf "Los!",
zwölf Flaschen Bordeaux
in ihre Unterhos',
wie einfallslos!
Franz Kaps,
trank gern Schnaps,
noch auf der Bahre,
waren ihm Köttenbrinks Klare
das einzig Wahre.
Epikürchen
Woher nahm der Epikur,
seine ganze Weisheit nur?
Gnädige Götter, Lust am Leben,
danach galt es mir zu streben.
Doch hat der Epikur mich jetzt belogen,
denn auf Zahnwurzelschmerz bezogen,
stimmt mich mein Leiden weder heiter
noch macht es mich gescheiter.







