Please accept my resignation

Manchmal gefalle mir in der snobistisch koketten Pose des ewigen Blog-Nörglers. Einer meiner Lieblingswitze geht so: Treffen sich zwei Männer, sagt der eine zum anderen: "I've nothing to say", sagt der andere: "You should blog about it" Ein zweiter Witz von Groucho Marx geht so: "Please accept my resignation. I don't want to belong to any club that will accept me as a member". Beide passen ziemlich gut auf meine Situation als Blogger finde ich.
Ich frage mich desöfteren, was gerade an meinem Leben so spannend sein soll, dass ausgerechnet ich den ganzen persönlichen Sülz ins Internet stelle. Auf der anderen Seite, wenn ich Herrn Martenstein oder Herrn Hacke lese, denke ich das Gleiche, nur dass der Sülz dort aufs Papier gestrichen wurde. Außerdem wissen wir ja spätestens seit Dieter Bohlen, auch das aufregendste Leben ist kein Garant für aufregende Lektüre. Und Marcel Proust schaffte es in seinem Werk "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" die ersten dreißig Seiten damit zu befüllen, wie sich ein Mensch unruhig in seinem Bett herumwälzt. Also, es ist keine Schande ein langweiliges Leben zu führen und darüber zu bloggen.
Immanuel Kant hockte sein ganzes Leben lang nur in Königsberg über seinen Klopsen und entwickelte bechamelsaucen-kapernfischend nebenher einen ganzen kategorischen Imperativ. Man muss also nicht erst an den Popocatépetl oder an den Titikakasee reisen, um etwa einen berühmten kategorischen Imperativ zu finden, oder einen interessanten Blogbeitrag zu verfassen. Ich will allerdings nicht verhehlen, dass sich so ein popocatepeltischer Imperativ unter Umständen spannender läse, als der aus Königsberg, aber es kommt eben darauf an, was man daraus macht, aus so einem kategorischen Imperativ.
Gerade bin ich von meiner eigenen Kolumne abgelenkt worden und dabei über den Meine-Fresse-Club gestolpert. Eigentlich hatte ich mir heute morgen an der Ampelkreuzung vehement autosuggestiv eingetrichtert: "Ute, du muss souveräner werden" und daraufhin beschlossen, Erwachsen zu werden, und meistens klappt das dann auch ganz gut mit dem Erwachsen werden, zumindest wenn ich schon mal an dem Punkt angelangt bin, an dem ich mich selbst mit dem Vornamen anspreche, aber das Erwachsenwerden muss verschoben werden, der Meine-Fresse-Club wartet!
Jetzt grüble ich unentwegt mit kindlichem Enthusiasmus darüber, was ich in dem Meine-Fresse-Club denn wohl aufführen könnte, auf der Bühne des Meine-Fresse-Clubs hinter dem Weinhandel TUF an der Nieberdingstraße, um mich dann schlimmstenfalls mit Korken bewerfen zu lassen.
Man kann doch sein blutjunges Leben nicht im gänzlich langweiligen Einerlei des Alltags verbringen und nur noch über kategorischen Imperativen oder stundenlangen Bettumwälzungen herumbrüten, wo es doch heutzutage so interessante Einrichtungen wie den Meine-Fresse-Club an der Nieberdingstraße gibt. Nein! Ich will den Meine-Fresse-Club um eine großartige Attraktion bereichern, auf dass alle mal später sagen können: Da hinter der Weinhandlung TUF im Meine-Fresse-Club, ist die kokette aber langweilige Frau Schnutinger aufgetreten und hat uns was über den kategorischen Imperativ erzählt, woraufhin sie mit zwei Tonnen Korken beworfen wurde, unter denen sie schließlich tot zusammenbrach.
Zu diesen seltsamen Verkettungen unglücklicher Umstände befragt, würde der Snob gelanweilt schulterzuckend sagen: Na wenn's wenigstens die von südfranzösischen Korkeichen waren!
Dienstag, September 4, 2007 at 17:51
Schnutinger |
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Reader Comments (3)
Die Worte sind so wunderschön. Danke! Aber wann beantwortest Du dir endlich die immer wiederkehrende Frage hinter den Ergüssen?
"Wenn ich das alles so lächerlich finde und über dasselbe Verhalten bei anderen sogar lästere... warum höre ich dann nicht auf damit und beginne ein echtes Leben?"
Grüße aus Ascheberg
Marc
Schillernder Trost
@ Marc: Dann müsste ich mich ja festlegen und das wäre noch langweiliger! Deshalb.