Randnotizen
an dieser Stelle sammel ich kleine Ideen und One-Liner für meine Comedy-Stücke. Es handelt sich um die sogenannten Schnutinger Blitzeinfälle.
Möge Ihnen dieses ganz der Lichtenbergschen Tradition des Sudel-Buches verpflichtete persönliche Sammelsurium zeitgenössischer Alltagsbeobachtungen zur humoristischen Seelenerbauung dienen. Mir dient es als Sammelplatz für Netzfundstücke und Gags für mein Netzkabarett.
Ein hoher Gast mit tiefer Wirkung
Neulich las ich in dem Magazin "a tempo - Das Lebensmagazin" unter der Rubrik: "Ein hoher Gast mit tiefer Wirkung" (aha, oho) folgendes:
"Heilung durch die Begegnung mit einer Pflanze zu erfahren, gleicht in unseren sogenannten 'aufgeklärten' Zeiten einem unerklärlichen Wunder. Meine eigene Heilungserfahrung und die Suche nach Klärung auf meinem Heilungsweg führten mich in die Zwischenräume unseres Seins, in denen die Mistel zu Hause ist."
"Ich"
Journalisten werfen Bloggern oft vor, sie benutzten geradezu inflationär das Wörtchen "Ich". Deshalb seinen Blogs egozentrisch und taugten nichts. Angela Merkel benutzte in ihrer Antrittsrede 154 mal das Wort "Ich", Schröder dagegen nur 49 mal, Kohl 45 mal, Schmidt 39 mal und Kiesinger 5 mal. Obwohl Angela Merkel in ihrer Regierungsrede mit großem Abstand am meisten "Ich" sagte, wird ihr wohl kaum einer unterstellen, sie sei egozentrisch und ihre Politik tauge nichts.
Kellerfunde
Meine größte Angst als Kind war es, dass meine Eltern mir irgendwann sagen würden: "Ute, du bist adoptiert." Heute wünschte ich es mir fast.
Manchmal denke ich, es muss doch noch mehr geben, im Leben meiner Mutter, ein dunkles Geheimnis, eine andere Seite, das kann doch nicht alles gewesen sein. Am Samstag dann schlug die Stunde der Wahrheit! Ich machte ich einen grausigen Fund. Als ich im Keller meiner Eltern nach dem Hochdruckreiniger suchte, fand ich ein kleines, unscheibares, hellblaues Büchlein: Eshter Vilar, Der dressierte Mann.
Ich nahm es mit nach Hause und mir wurde einiges klar. Meine gesamte Sozialisation lag schwarz auf weiß vor mir: Seite 60 - Ihre Dummheit macht die Frau göttlich, Seite 96 - Sex als Belohnung, Seite 141 - Kinder als Geiseln.
Ich las den ganzen Nachmittag lang und war geschockt. Eine dicke Fliege summte um mich herum, ich sagte zu meinem Mann: "Kannst du mal die Fliegenklatsche nehmen und die tothauen?" Er antwortete: "Du willst mich nur zum Mörder dressieren." Auch auf die von mir in Aussicht gestellte "Gegenleistung" sprang er nicht an. Ich hasse emanzipierte Männer *klatsch*
Anfänge
Man darf Bücher und Kolumnen nicht mit Ich anfangen. Das wirkt egozentrisch und sieht auch nicht schön aus. Das hab ich bei Harald Martenstein gelesen. Is sind sehr hässliche Buchstaben. Wenn überhaupt, dann sollte man mit einem A anfangen. Das A ist der Mercedes unter den Buchstaben. Man könnte beispielsweise mit Angela Merkel anfangen, oder mit Alice Schwarzer, oder mit Antoine Doinel, oder mit Arachnophobie, vorausgesetzt, man schriebe ein Buch über Spinnenangst. Ich habe das nicht vor, ich mag Spinnen.
Computerdialoge
Schnutinger (sich ein Brötchen in die Backe stopfend): "Böh, man mag gar nicht mehr essend vor dem Computer sitzen"
Hagen (blickt über die Schulter): "Wegen der toten Babys oder Uli Hoeneß?"
Fettecken gestern und heute
Die bevorzugten Margarinesorten von Josef Beuys beim Aufbau seiner Fettecken waren Rama und Deli Reform. Angesichts der vielen fettleibigen Deutschen würde er heute in Zeiten aus Gründen von political correctness wohl eher Lätta und Becel verwenden.
Firmen von heute würden auch damit werben: "Rama, die Margarine, die Josef Beuys zu Kunst macht und umgekehrt!" oder "Rama, nichts ranzt besser!"
Kinderwunsch und Weltzustand
Mein Mann hat mir letztens ein Buch geschenkt: "Wir bekommen ein Kind!". Wir bekommen zwar keins, aber ich dachte, ich kann mich ja mal mit 32 Jahren langsam an das Thema heranwagen und es ringfahndungsartig einkreiseln. Vom Großen ins Kleine sozusagen. Bin gerade bei Kapitel eins angelangt: Kinderwunsch und Weltzustand, ich glaube, danach brauche ich erstmal eine Pause.
Blaustrümpfe
Waren das Zeiten, in denen man mit dem Tragen von blauen Socken noch einen Skandal auslösen konnte. Heutzutage stoßen sich kaum noch Leute an medial verschenktem Scheidensekret.
Kokology
Supergeschenktipp für Mütter und (die meisten) Chefs:
Kokology ist ein "Spiel der Selbsterkenntnis", welches vom japanischen TV- Quizmaster und Fernsehproduzenten Tadahiko Nagao produziert und in Zusammenarbeit mit Isamu Saito, einem Professor an der Rissho Universität in Japan, entwickelt wurde. Dieses Spiel stellt unscheinbare Fragen, deren Antworten dann einem tieferen Sinn zugeordnet werden.
Discobesuche
Discobesuche haben den Vorteil, dass sich der Ohrenschmalz mal wieder lockert.
Kabarett aus Franken
... ist ungefähr so witzig wie Tschernobyl.
Frauengespräche

Im letzten Jahr habe ich über das Bloggen eine ziemlich lustige Frau aus Köln kennen gelernt. Lustig insofern, als dass ein Regisseur einfach nur die Kamera auf uns halten müsste und wir ziemlich durchgehend einen guten Stoff für eine sehr verpeilte Frauen-Komödie abgäben. Wir sind so dermaßen paddelig und unsere Dialoge so dermaßen komisch, dass wir uns selber darüber immer wieder köstlich amüsieren, sobald wir das realisieren.
Beim ersten Treffen bin ich fünf Stockwerke hochgehechtet und bei der Begrüßung beinahe kollabiert. Beim zweiten Treffen, also heute, nahm ich den Aufzug, war aber trotzdem total verschwitzt, was ich auch sagte, woraufhin die Freundin sagte, dass man das bei Germany's Next Topmodel aber nicht sagen dürfte, woraufhin ich sagte, dass ich genau aus dem Grund nicht vor hätte, mich bei Germany's Next Topmodel zu bewerben - sonst natürlich schon.
Wir sind wegen meiner Hitzewallungen dann zum Kaffeetrinken raus auf den Balkon ihres Büros, klappten ein knallgellbes Höckerchen auf, auf das sich aber keine von uns beide setzen mochte, guckten ein bisschen versonnen auf den Kölner Dom, ich erzählte, dass ich heute meine EC-Karte gesperrt und noch zehn Euro für den Rest des Tages zur Verfügung hätte, wir fanden dann, dass es kalt ist, klappten das Höckerchen wieder ein und gingen zurück ins Büro.
Danach spazierten wir bei herrlichem Sonnenschein den Rhein auf und ab. Dabei schüttete ich inbrünstig mein Herz aus. Sagen wir mal so, ich plapperte in frühlingshaftem Übersprung ziemlich unreflektiertes Zeug vor mich hin. Frauengespräche eben. Solche Art von Frauengesprächen hüpfen wie ein Flummi vor sich hin, ohne Sinn, Ziel und Richtung: „Ach! Ich glaube, ich muss was ändern in meinem Leben! Nein, ich glaube, es wird sich was ändern! Ja, ich fühle, es passiert was!“ Die Freundin, ich nenne sie mal Ellen, daraufhin: „Mmh, das hast du beim letzten mal auch schon gesagt, du scheinst ein sehr leidensfähiger Mensch zu sein.“ Ich: „Ja, nein, ja ich weiß auch nicht, die Zwänge, weißt du, man ist ja so unfrei, aber jetzt muss wirklich was passieren! Und ich spüre das, bald wird auch was passieren, also so geht es ja wirklich nicht mehr weiter. Ich bin ja nur noch am Arbeiten!“ Ellen: „Ja, das Gefühl kenne ich …“ „Ich will jetzt einfach mal mehr Körperlichkeit.“ „Wie? Mehr Körperlichkeit?“ „Ja so Sinnlichkeit eben! Also zum Beispiel mal in Ruhe zum Psychologen, zum Zahnarzt und eine Steuererklärung ausfüllen...“ Ellen: „Na ja, unter Körperlichkeit hatte ich mir jetzt eigentlich was anderes vorgestellt, als eine Steuererklärung...“ „Und mich mal in Ruhe mit Kunst beschäftigen, Aktzeichnen und so, aber die Zeit..." Ellen: „Ja, aber du könntest auch einfach mal eine Stunde zur Massage gehen, hast du das mal gemacht?“ Ich: „Ach, das ist ja auch so ein Problem bei mir, Nähe und Distanz, wegen der Körperlichkeit, weißt du, das kommt bestimmt aus meiner Kindheit, na ja, ich will da erstmal noch ganz viel aufarbeiten. Ich bin so unzufrieden! Also Kinder kriege ich mit dieser Unzufriedenheit bestimmt nie!" Ellen: "Na ja, wenn Unzufriedenheit verhüten würde, hätte die Unterschicht auch weniger Kinder..."
Irgendwann an der Ampel meinte ich innehaltend: „Das war jetzt aber gerade ein ziemlich bescheuertes Frauengespräch, oder?“ Und wir hielten uns die Bäuche vor lachen. Ellen meinte dann noch: „Dieses fühle-ich-das-jetzt-wirklich?-Gerede ist wirklich ein bisschen typisch weiblich, als wenn das alles so irre weit weg ist. Ich meine man könnte doch auch einfach sagen: Hier bin ich, hier ist mein Körper los geht’s!“
4'33
Bei dem Stück 4'33 handelt es sich um ein Musikstück von dem Avantgarde-Komponisten John Cage, bei dem kein einziger Ton gespielt wird. Bei der Uraufführung am 29. August 1952 in Woodstock, N.Y. zeigte der Pianist David Tudor die 3 Sätze durch Schließen und Öffnen des Klavierdeckels an. Er erwürfelte vor der Aufführung als Dauern für die 3 Sätze 33", 2'40" und 1'20", was eine Gesamtlänge von 4'33" ergibt.
Im Juli 2002 wurde der Komponist Mike Batt wegen Plagiarismus von John Cages Erben verklagt, nachdem Batt sein Stück „A One Minute Silence“ unter der Autorschaft „Batt/Cage“ herausgegeben hatte. Anfänglich sagte Batt, er werde sich gegen diese Vorwürfe wehren und erklärte, dass sein Stück „ein sehr viel besseres stilles Stück“ sei, und „ich war in der Lage, in einer Minute das zu erzählen, wofür Cage vier Minuten und 33 Sekunden brauchte“.
Ich werde sofort Avantgarde-Schriftstellerin, schreibe ein Buch und nenne es 120.
S wie Sauerkrautfrisur
Gerade las ich in der ZEIT, dass Brigitte Bardot die "Sauerkrautfrisur" erfunden hat. Ein rascher Blick ins Internet offenbart: Unter Sauerkrautfrisur versteht man eine solche, mit der man aussieht, als sei man gerade dem Bett entstiegen. Das sollte man sich merken - vor allem, wenn man auf Businessreisen die Bürste vergessen hat, das aber erst nach dem Duschen und Abtrocknen merkt.
Liebe Sailerinnen
Ich bin wahrlich kein Sprachgenie, aber bei Anreden wie "Hallo Sailor's und Sailerinnen!" in einer Mail der Betriebssportgemeinschaft-Segeln, ziehen sich selbst mir die Schuhe aus.
Quelle: Kopierraumfund
Winston Churchills letzte Worte
"I'm bored with it all!"
ars vivendi
= die tägliche Zerreißprobe zwischen Ideal und Wirklichkeit
Kunstfurzer

Joseph Pujol "Le Petomane" war ein legendärer französischer Kunstfurzer, der mit seinem Schließmuskel Furzmelodien produzieren konnte. Er trat im Moulin Rouge auf und spielte auch Blasinstrumente mit seinem Hintern. Zu seinem erstaunlichen Repertoire gehörten populäre Melodien wie das Kinderlied „Au clair de la lune“ oder „Le bon roi Dagobert“, die Imitation von Musikinstrumenten wie der Tuba bis hin zu einer eigenen Improvisation über die Geräuschkulisse des Erdbebens in San Francisco von 1906.
Herr Pujol, bitte machen Sie eine typische Körperbewegung:
Der einzige noch lebende Kunstfurzer heißt Mr. Methane.
Punzenlecker
Heute habe ich gelesen, dass Schoßhunde wie Tinkerbell, der Chihuahua von Paris Hilton, oder die weißen Pudel der Jacob Sisters, früher auch Punzenlecker genannt wurden.
Nach einer rasch durchgeführten Wikipedia-Recherche habe ich herausgefunden, was ein Punzen ist. Es gibt mehrere Worbedeutungen für Punzen. Sicher dürfte ich in der Annahme gehen, dass damit nicht das Abschlecken einer lochartigen dermatologischen Vertiefung in Finger- und Zehennägeln gemeint ist.
(Lesetipp dazu: Aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Dummy)
Latzhosenmädchen
Letztens fragte Jörg Thadeusz Anne Will in einem Interview, ob sie ein Latzhosenmädchen gewesen sei. Ich habe über diesen Ausdruck lange nachgedacht, denn im Gegensatz zu Anne Will, war ich ein Latzhosenmädchen. Ich kann mich nicht erinnern, in den ersten zehn Lebensjahren überhaupt etwas anderes getragen zu haben als Latzhosen - Strampler inklusive.
Eigentlich hatte der Thadeusz wohl fragen wollen: „Frau Will, ab wann haben Sie eigentlich erkannt, dass sie lesbisch sind?“, weil er sich das aber im öffentlich rechtlichen Fernsehen nicht traute, verlagerte er das Thema auf ein Kleiderproblem im übertragenen Sinne: Tragen Lesben in ihrer Jugend Latzhosen? Oder umgekehrt: Machen Latzhosen lesbisch?
Ich war nicht nur ein Latzhosenmädchen, sondern überdies noch ein Nickipullovergirl und ein Unterhosenfräulein! Ich weiß nicht, was schwerer wiegt, im Hinblick auf frühkindlich-sexuelle Prägung, Latzhose, Unterhose oder Nickipullover. Was Herrn Thadeusz wohl zu meiner quergestreiften Sanetta Unterwäschekollektion eingefallen wäre? Vielleicht, dass ich die Reinkarnation eines bisexuellen Zebras bin.
Ende der 70er Jahren war die Welt im Hinblick auf Klamotten noch in Ordnung, oder sagen wir mal geschlechtsspezifisch wenig ausdifferenziert! Durch den Unisexomat modisch gleichgeschaltet, konnten wir Mädchen uns noch bis kurz vor der Pubertät aussuchen, welches Geschlecht wir eigentlich sein wollten. Wir lebten ungebrandet, unbeschriftet und unsere Modefarben waren nicht pink, rosa und hellblau, sondern umbra, beige, khaki und chamois. Wir hatten auch keine Babysweater mit Aufdruck „Abi Zweitausendsoundso“, „Mamas Lieling“ und keine Jacken, in denen wir aussahen wie lebende Plüschtiere und hätten meine Eltern mich in ein T-Shirt mit der Aufschrift „Zuckermaus“ gesteckt, ich hätte sie wegen grober Körperverletzung beim Jugendamt angezeigt.







