Frauengespräche
Dienstag, April 29, 2008 at 22:50 
Im letzten Jahr habe ich über das Bloggen eine ziemlich lustige Frau aus Köln kennen gelernt. Lustig insofern, als dass ein Regisseur einfach nur die Kamera auf uns halten müsste und wir ziemlich durchgehend einen guten Stoff für eine sehr verpeilte Frauen-Komödie abgäben. Wir sind so dermaßen paddelig und unsere Dialoge so dermaßen komisch, dass wir uns selber darüber immer wieder köstlich amüsieren, sobald wir das realisieren.
Beim ersten Treffen bin ich fünf Stockwerke hochgehechtet und bei der Begrüßung beinahe kollabiert. Beim zweiten Treffen, also heute, nahm ich den Aufzug, war aber trotzdem total verschwitzt, was ich auch sagte, woraufhin die Freundin sagte, dass man das bei Germany's Next Topmodel aber nicht sagen dürfte, woraufhin ich sagte, dass ich genau aus dem Grund nicht vor hätte, mich bei Germany's Next Topmodel zu bewerben - sonst natürlich schon.
Wir sind wegen meiner Hitzewallungen dann zum Kaffeetrinken raus auf den Balkon ihres Büros, klappten ein knallgellbes Höckerchen auf, auf das sich aber keine von uns beide setzen mochte, guckten ein bisschen versonnen auf den Kölner Dom, ich erzählte, dass ich heute meine EC-Karte gesperrt und noch zehn Euro für den Rest des Tages zur Verfügung hätte, wir fanden dann, dass es kalt ist, klappten das Höckerchen wieder ein und gingen zurück ins Büro.
Danach spazierten wir bei herrlichem Sonnenschein den Rhein auf und ab. Dabei schüttete ich inbrünstig mein Herz aus. Sagen wir mal so, ich plapperte in frühlingshaftem Übersprung ziemlich unreflektiertes Zeug vor mich hin. Frauengespräche eben. Solche Art von Frauengesprächen hüpfen wie ein Flummi vor sich hin, ohne Sinn, Ziel und Richtung: „Ach! Ich glaube, ich muss was ändern in meinem Leben! Nein, ich glaube, es wird sich was ändern! Ja, ich fühle, es passiert was!“ Die Freundin, ich nenne sie mal Ellen, daraufhin: „Mmh, das hast du beim letzten mal auch schon gesagt, du scheinst ein sehr leidensfähiger Mensch zu sein.“ Ich: „Ja, nein, ja ich weiß auch nicht, die Zwänge, weißt du, man ist ja so unfrei, aber jetzt muss wirklich was passieren! Und ich spüre das, bald wird auch was passieren, also so geht es ja wirklich nicht mehr weiter. Ich bin ja nur noch am Arbeiten!“ Ellen: „Ja, das Gefühl kenne ich …“ „Ich will jetzt einfach mal mehr Körperlichkeit.“ „Wie? Mehr Körperlichkeit?“ „Ja so Sinnlichkeit eben! Also zum Beispiel mal in Ruhe zum Psychologen, zum Zahnarzt und eine Steuererklärung ausfüllen...“ Ellen: „Na ja, unter Körperlichkeit hatte ich mir jetzt eigentlich was anderes vorgestellt, als eine Steuererklärung...“ „Und mich mal in Ruhe mit Kunst beschäftigen, Aktzeichnen und so, aber die Zeit..." Ellen: „Ja, aber du könntest auch einfach mal eine Stunde zur Massage gehen, hast du das mal gemacht?“ Ich: „Ach, das ist ja auch so ein Problem bei mir, Nähe und Distanz, wegen der Körperlichkeit, weißt du, das kommt bestimmt aus meiner Kindheit, na ja, ich will da erstmal noch ganz viel aufarbeiten. Ich bin so unzufrieden! Also Kinder kriege ich mit dieser Unzufriedenheit bestimmt nie!" Ellen: "Na ja, wenn Unzufriedenheit verhüten würde, hätte die Unterschicht auch weniger Kinder..."
Irgendwann an der Ampel meinte ich innehaltend: „Das war jetzt aber gerade ein ziemlich bescheuertes Frauengespräch, oder?“ Und wir hielten uns die Bäuche vor lachen. Ellen meinte dann noch: „Dieses fühle-ich-das-jetzt-wirklich?-Gerede ist wirklich ein bisschen typisch weiblich, als wenn das alles so irre weit weg ist. Ich meine man könnte doch auch einfach sagen: Hier bin ich, hier ist mein Körper los geht’s!“









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Jetzt gehe ich noch einen Schritt weiter: Es läuft was wirklich Rührendes im Fernsehen. Frauen müssen – wenn es überhaupt geht – die Tränen unterdrücken. Männer schmunzeln eher. Habe mal mit Mutter und Oma vor Jahren die Dornenvögel geguckt… *schluchz*
Cooles Foto!
Das Foto bezieht sich auf eine Limette, die mir die Ellenspielgefährtin mitgegeben hat - als erstes Körpererlebnis :-) Fand ich im übrigen eine tolle Idee - da merkt man die Coaching-Erfahrung :-D